Werden wir nur noch nach „Pisa“ bewertet und klassifiziert?

1. Offener Brief an Andreas Schleicher, OECD, Paris

"Wir sind offen gestanden tief besorgt über die negativen Folgen der PISA-Rankings": Was vor knapp zwei Wochen mit einer Veröffentlichung im Guardian begann, zieht Kreise: Der Offene Brief an den OECD-Koordinator der PISA-Studien Andreas Schleicher. Der Brief wurde initiiert von dem an der New Yorker State University lehrenden Erziehungswissenschaftler Heinz-Dieter Meyer und unterstützt von einhundertdreißig Erstunterzeichnern: Pädagogen und Professoren aus der ganzen Welt. In Deutschland haben sich dem Aufruf mittlerweile rund 2.100 Unterzeichner angeschlossen.

"Wir können nicht verstehen, wie die OECD zum globalen Schiedsrichter über Mittel und Ziele von Bildung in der ganzen Welt werden konnte", heißt es in dem Schreiben. Die enge Ausrichtung der OECD auf standardisierte Tests drohe Lernen in Pedanterie zu verwandeln und Freude am Lernen zu beenden. Durch den von PISA stimulierten internationalen Wettlauf um Testergebnisse habe die OECD die Macht erhalten, weltweit Bildungspolitik zu bestimmen, ohne jede Debatte über die Notwendigkeit oder Begrenztheit der OECD-Ziele. "Durch das Messen einer großen Vielfalt von Bildungstraditionen und -kulturen mit einem engen und einseitigen Maßstab kann am Ende unseren Schulen und unseren Schülern irreparabler Schaden zugefügt werden", warnen die Autoren. PISA habe den ohnehin schon hohen Grad an Stress an den Schulen weiter erhöht und gefährde das Wohlbefinden von Schülern und Lehrern.

In dem Brief werden auch mögliche neue Wege aufgezeigt. So seien aussagekräftigere und weniger sensationsheischende Wege für Bildungsvergleiche zu finden. Um Zeit für die Diskussion aller relevanten Aspekte zu gewinnen, heißt es, wäre es nützlich, den nächsten PISA-Zyklus auszusetzen.

» Der Offene Brief in englischer Sprache mit der Liste der Erstunterzeichner
» Der Offene Brief in autorisierter deutscher Übersetzung
» Hier kann man die Petition unterschreiben
» Interview mit dem Initiator Prof. Heinz-Dieter Meyer